Arbeitskreis "Lernen und Helfen in Übersee" e.V.

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11.07.2012

Ein Jahr Bundesfreiwilligendienst

Erste Erkenntnisse einer begleitenden Untersuchung


Die Erkenntnisse in Kürze
Als Konsequenz einer der größten Reformen in der laufenden Legislaturperiode wurde der Bundesfreiwilligendienst (BFD) vor knapp einem Jahr eingeführt. Das neue Format verortet sich zwischen zwei Kulturen: Auf der einen Seite erwächst der Dienst strukturell aus dem Zivildienst. Staatliche Organisationen betreten als neue Akteure das Feld der Freiwilligendienste. Auf der anderen Seite knüpft der BFD an die Tradition der Jugendfreiwilligendienste an, die sich durch ein diversifiziertes Träger- und Einsatzstellensystem und ein spezifisches Bildungskonzept auszeichnen. 

Insgesamt bewerten die Akteure die teilweise Umwidmung des ehemaligen Zivildienstetats für einen Freiwilligendienst positiv. Trotzdem beeinflusst ein staatlich gesteuerter Dienst die Logik des Dritten Sektors nachhaltig und bringt Kompetenzverschiebungen und Abstimmungsprozesse mit sich. Nach einem schleppenden Start im Sommer 2011 nimmt die Anzahl der Bundesfreiwilligen kontinuierlich zu, bis sie im Frühjahr 2012 auf Grund der ausgeschöpften Kontingente bei gut 35.000 stagniert. Die Altersgruppe der über 27-Jährigen hat im Bundesdurchschnitt einen Anteil von über 30 Prozent. Auffallend ist, dass diese Altersgruppe in allen ostdeutschen Bundesländern überproportional vertreten ist, dort liegt ihr Anteil jeweils bei über 50 Prozent. Erklärbar ist dies durch die Kombination zweier Faktoren: Eine aktive und flächendeckende Bekanntmachung verbunden mit den jeweiligen Arbeitsmarktstrukturen. Der Dienst scheint dort vor allem für Arbeitssuchende attraktiv zu sein. 

Die Zielgruppe Ü27 bedeutet für die Organisationen eine neue  Herausforderung, nämlich neben entsprechenden Bildungskonzepten auch passende Tätigkeitsprofile zu erarbeiten. Trotz der generellen Offenheit ist zu beobachten, dass der Dienst vor allem auf Personen in Umbruchsituationen selektiert und zudem gewisse Qualifikationsanforderungen von den Organisationen gestellt werden. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die Anerkennungskultur, die Erfolgskriterium für die Umstellung von Pflicht- auf Freiwilligendienst ist, noch nicht ausreichend organisational und gesellschaftlich verankert ist. Als Folge identifizieren sich die Freiwilligen bisher kaum mit dem BFD. Zudem steht das Format vor der Herausforderung, sich zwischen den Polen Engagement und Erwerbsarbeit zu verorten. Eine weitere Herausforderung für das Format ist die noch nicht vollzogene Ausgestaltung des Dienstes als Bildungsjahr für die Gruppe der Älteren. 

Für die zukünftige Positionierung des Dienstes wird die größte Herausforderung darin liegen, die Offenheit des Formats aufrecht zu erhalten, ohne Willkür oder Beliebigkeit zuzulassen und gleichzeitig das Ansehen des BFD und damit die Identifizierung mit dem Dienst zu stärken.

Ein Jahr Bundesfreiwilligendienst


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